Jetzt kommt es für das “Funkenmariechen” (Kabarettist Urban Priol) aber knüppeldick: Sixt macht Werbung auf Kosten von Ulla Schmidt. Deren Dienstwagen wurde zwar angeblich in Spanien aufgefunden und ist nicht im Osten Europas gelandet, wo “wahrscheinlich schon längst ein moldawischer Vorstadtgangster in Ulla Schmidts Dienstwagen die Schutzgelder eintreibt”, wie Polit-Blogger Michael H. Spreng gestern süffisant schrieb. Aber die Steilvorlage für die wegen ihrer frechen Werbung berüchtigten Autovermieter war einfach zu gut. Gleichzeitig entlarvt der Fall, welches merkwürdige Verhältnis zu Geld im Gesundheitsministerium besteht.
Hatte doch gestern Schmidts Sprecherin Dagmar Kaiser in der Bundespressekonferenz vorgerechnet, der Transfer des Fahrzeugs von Berlin nach Alicante sei billiger als die Leihwagenmiete für einen Tag, wie das Hamburger Abendblatt berichtet:
Erstaunen löste das Gesundheitsministerium mit der Rechnung aus, es sei günstiger, den Wagen samt Fahrer von Berlin ins 2500 Kilometer entfernte Denia bei Alicante zu holen, als dort einen Leihwagen zu mieten. Wenn man für Hin- und Rückfahrt bei einem Verbrauch von 7,7 Litern pro 100 Kilometer 500 Euro für Sprit veranschlage, entspreche dies bereits der Miete für einen vergleichbaren Leihwagen pro Tag, rechnete Kaiser vor. Allerdings seien darin die Kosten für die Unterbringung des Fahrers noch nicht eingerechnet, räumte sie ein.
Schön, dass Lieschen Müller es bis zur Ministeriums-Sprecherin gebracht hat, denn wir wissen alle: Beim Autofahren fallen nur Spritkosten an, der Rest ist vernachlässigbar. Und wenn Zeit-Online richtig berichtet, sind die kaufmännischen Fährigkeiten ihrer Chefin bei diesem Thema ähnlich beschränkt phänomenal. Schmidt hatte die Kosten auf rund 1000 Euro geschätzt.
Weitere Dynamik erhielt die Diskussion, als der Bund der Steuerzahler die Kosten des Dienstwageneinsatzes berechnete: Rund 10.000 Euro soll die Urlaubsfahrt laut Kalkulation des Verbandes gekostet haben. Schmidt dagegen ging zunächst von einem Zehntel dieses Betrages aus, später bezifferte das Ministerium die Kosten auf etwa 3200 Euro.
Wie der Bund der Steuerzahler auf völlig andere Zahlen kam, berichtet der Stern:
Die umstrittene Reise des Fahrers von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nach Spanien hat den Steuerzahler fast 10.000 Euro gekostet. Das hat laut “Bild”-Zeitung der Bund der Steuerzahler ausgerechnet. Demnach müssen allein für die Hinfahrt 3800 Euro angesetzt werden, unter anderem für Benzin. Hinzu kämen Maut-Gebühren und mindestens sechs Hotel-Übernachtungen, die mit insgesamt rund 600 Euro veranschlagt werden. Für die Dienstzeit und Überstunden setzen die Experten weitere 4872 Euro an. Damit koste die Reise den Steuerzahler mindestens 9386 Euro, sagte Hauptgeschäftsführer Reiner Holznagel der Zeitung zufolge. Weitere Kosten, wie beispielsweise für den nach dem Diebstahl nötigen neuen Dienstwagen, seien nicht berücksichtigt.
Wenn man sich allerdings die Zahl des Gesundheitsministeriums noch einmal auf der Zunge zergehen lässt, wonach der Einsatz des Dienstwagens in Spanien insgesamt 3200 Euro gekostet hat, scheint das Schönrechnen von Ausgaben systemimmanent zu sein.
Dass die Dienstwagen der Politprominenz von den Autoherstellern zu absoluten Dumpingpreisen vor die Ministerbüros gestellt werden, ist die eine Sache. Aber wie man bei rund 5000 Kilometern Fahrtstrecke auf Kosten von 3200 Euro kommen kann – ein Rätsel.
Das wäre ein Kilometerpreis von 64 Cent, keine Maut, kein Gehalt für den Fahrer, keine Hotelübernachtung berücksichtigt.
Schlägt man in der ADAC-Autokostentabelle nach, welches Auto man für rund 64 Cent pro Kilometer fahren kann, kommen solche Modelle heraus:
- Opel Astra OPC
Renault Grand Espace
Mercedes C300 Classic
Subaru Legacy 2.5i Comfort
Volvo S60
VW Multivan 2.0 Startline
Lauter ehrenwerte Automodelle, nur weit entfernt von einer Mercedes S-Klasse der gehobenen Motorisierung.
Für ein dem Ministerauto vergleichbares S-Klasse-Modell – nehmen wir als Maßstab einfach mal den vom ADAC gelisteten S 450 CDI – ergeben sich Kilometerkosten von 142,4 Cent pro Kilometer. Oder verständlicher: 1,42 Euro und ein paar Zerquetschte.
Macht bei 5000 Kilometer Fahrstrecke reine Fahrzeugkosten von 7120 Euro.
Aber schön, wenn das Ministerium mit solch niedrigen Kosten kalkuliert. Und noch schöner, wenn es tatsächlich so sein sollte, dass diese Fantasiekosten auch zur Berechnung der privaten Kosten herangezogen werden.
Ein Unternehmer käme mit solchen Rechenspielen niemals beim Finanzamt durch, wenn er sie zur Basis seiner Dienstwagen-Versteuerung machte. Da wäre ganz schnell Betriebsprüfung angesagt.
Wie das Minsterium auf die 3200 Euro kommt, berichtet Focus Online – wichtig war wohl auch, dass Frau Ministerin Computer, Drucker und Papier nach Spanien gebracht wurden.
Schmidts Dienstfahrt kostete 3200 Euro, Focus online
Die Kosten belaufen sich nach neuen Angaben ihres Ministeriums auf rund 3200 Euro. Dies geht aus einem Schreiben von Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder an den Vorsitzenden des Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), hervor.
Schröder begründet den Einsatz des Dienstfahrzeugs mit dem Hinweis, mit dem Wagen sei die für die Ministerin notwendige „Büromindestausstattung“ an den Urlaubsort transportiert worden. Bei Verzicht auf den Dienstwagen und die Beförderung von Drucker, Computer und Papier per Flugzeug und Anmietung eines Autos vor Ort wären Kosten von etwa 3700 Euro entstanden. „In der Gesamtbetrachtung ist Variante 1 die wirtschaftlichere Lösung“, heißt es in dem Schreiben.
Da es sich um ein Leasing-Fahrzeug handelt, sei der Wertverlust in der Kostenrechnung nicht berücksichtigt. Der Bund der Steuerzahler hatte inklusive Abnutzung Gesamtkosten von 9400 Euro errechnet.
Nachtrag
Noch ein Beispiel für kreative Werbung, gefunden bei Indiskretion Ehrensache















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