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KTM X-Bow: Spielzeug für Männer

16.04.2009 | 15:30 | Ein Beitrag von Eric Schmeer | Keine Kommentare

Von null auf 100 in 3,9 Sekunden. Das sagt alles über den KTM X-Bow

Von null auf 100 in 3,9 Sekunden. Das sagt alles über den KTM X-Bow

Der Allerwerteste ein paar Zentimeter über dem Asphalt, der Kopf frei im Wind und deshalb besser unter einem Helm. Ein Auto, klar, hat ja vier Räder. Aber auch ein Motorrad, und nicht nur, weil es von einem Motorradhersteller kommt.

Der KTM X-Bow ist ein Stück Rennsport für die Straße – und kann ganz offiziell und legal zugelassen werden. Das preiswerteste Modell ist der X-Bow Street, der mit knapp 50.000 Euro zu Buche schlägt – plus Mehrwertsteuer und Transportkosten, also sollte der Interessent den runden Betrag von 60.000 Euro einplanen. Für die Varianten Clubsport, Superlight und GT4 ruft Hersteller KTM Preise zwischen rund 60.000 und 83.000 Euro auf, auch in diesen Fällen plus Steuern und Nebenkosten, so dass die 100.000-Euro-Marke ganz, ganz nah in Schlagweite gerät.

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Natürlich ist es kalt in einem März wie diesem. Eisfußkalt. Natürlich sind Sitz und Beifahrersitz hart. Beim tiefen Einatmen drücken die strammgezogenen Vierpunktgurte am Brustkorb. Aber es hat so zu sein. Der X-Bow, erstes Auto des österreichischen Motorradherstellers, ist in diesen Zeiten nicht nur ein wirtschaftliches Wagnis, sondern ein faszinierend radikal reduzierter Sportwagen. Mehr Motorrad als manches Motorrad. Ein Harley-Tourer, eine Honda Gold Wing, eine BMW K 1300 GT sind Wohnmobile gegen ihn.

    Wenn Sie morgen wieder auf dem Gehweg Ihr Krokodil an der Leine spazieren führen, wird niemand Ihnen Beachtung schenken, wenn ein X-Bow in der Nähe ist. Keine Chance

Er muss sich Zeit nehmen für seine Mitmänner. „Wie viel PS?“ 240. „Wie schnell?“ 220. Das sind allerdings noch unzureichende Antworten. Um dem KTM gerecht zu werden, muss der Fahrer nun erzählen: nur 790 Kilo, einziges Serienauto mit Kohlefaser-Monocoque weit und breit, Karbon-Crashbox, Überrollbügel, Unterboden glatt wie eine Tischtennisplatte, Frontsplitter, Heckdiffusor, saugt sich am Asphalt fest, Zweiliter-Audi-Turbo-Direkteinspritzer-Mittelmotor, Heckantrieb, 0 bis 100 in 3,9 Sekunden, 80 bis 120 in 2,9 offiziell. 2,97, um genau zu sein.

Das gibt leuchtende Augen, fast so wie die Aufzählung dessen, was der KTM nicht hat: Dach, Windschutzscheibe, Kofferraum, Handschuhfach, ABS, Servolenkung, Bremskraftverstärker, Airbags, ESP, Radio, Navi, nichts, nichts, nichts von dem, was ein normales Auto hat.

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Es geht vorwärts, seitwärts und manchmal auch ein Stück rückwärts. Die elegante, in den fließenden Bewegungsablauf eingearbeitete 360-Grad-Pirouette wird in diesem Umfeld weniger als Ausdruck des Versagens als vielmehr als Indiz überbordender Fahrfreude gewertet.

    So wird gerutscht, gezirkelt und gedriftet – und dabei gejuchzt – was das Zeug hält

Auch wenn es für den weniger fantasiebegabten Betrachter abstrus erscheinen mag, der weißen Pracht mit einem so unverschämt offenen Auto zu begegnen: Der Selbstversuch zeigt, dass das Suchtpotenzial Furcht erregend ist. Wenig Masse (850 Kilogramm), viel Leistung (240 Turbo-PS), hervorragender Grip und die von den profilierten Gelände-Spezies der Zweirad-Fraktion scheinbar geerbte, extrem gute physische Konstitution formen den KTM X-Bow zu einem automobilen Werkzeug, das der Idealbesetzung für eine Hauptrolle in der Serie “Fahrspaß im Winter” extrem nahe kommt.
Ungeachtet der im Lastenheft sicher kaum notierten Forderung nach Rallye-Eignung besteht der kühn gezeichnete sowie extrem solide verarbeitete Sportwagen den Eignungstest also auch abseits befestigter Wege. Wer demnach behauptet, das Einsatzgebiet des KTM X-Bow beschränke sich auf Rennstreckenbesuche bei hochsommerlichen Temperaturen, der irrt: Unterm Gefrierpunkt kommen seine Talente wohl erst so richtig zur Geltung.

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