Dabei handelt es sich weder um Steuerbetrug noch illegale Tricks, sondern die konsequente Anwendung der Dienstwagen-Steuerregeln. Die schreiben nämlich vor: Der Vorteil, seinen Firmenwagen auch privat nutzen zu dürfen, muss als geldwerter Vorteil versteuert werden. Das geht entweder über ein Fahrtenbuch und eine exakte Ermittlung sämtlicher Kosten sowie der Aufteilung nach dienstlichen und privaten Kilometern.
Oder aber, und das machen die meisten Nutzer eines Dienstwagens: Die Pauschalabrechnung mit dem Fiskus, die Ein-Prozent-Regelung, wird angewandt.
Das funktioniert so: Entscheidend ist der Listenpreis des Autos zum Zeitpunkt der Anschaffung inklusive Mehrwertsteuer, abgerundet auf glatte 100 Euro. Jeden Monat erhöht sich das Bruttogehalt um ein Prozent dieses Betrags. Beispiel: Der Dienstwagen kostet inklusive Sonderausstattungen 45.030 Euro, also muss der Selbstständige oder Mitarbeiter für 450 Euro im Monat Steuern und Sozialbeiträge zahlen. Fährt er mit dem Auto auch zwischen Wohnung und Büro, erhöht sich der Betrag um 0,03 Prozent je Entfernungskilometer, im Beispiel also um 13,50 Euro pro Kilometer.
So weit, so gut. Was jedoch alle Käufer eines Gebrauchtwagens ärgert: Auch wenn sie eine Oberklasselimousine nach zwei oder drei Jahren für knapp die Hälfte des ehemaligen Listenpreises kaufen, müssen sie die Dienstwagensteuer auf den ehemaligen Listenneupreis zahlen. Bei Neuwagen, die mit hohem Firmenrabatt eingekauft werden, ist dies genauso.
Diese Regelung lässt sich mit Oldtimern zum eigenen Vorteil ausnutzen: Denn auch hier gilt die Bestimmung, dass die Pauschalsteuer auf Basis des alten Listenpreises errechnet wird.
Das Handelsblatt stellt in einem Beitrag mit dem Titel “Klassische Auto-Veranlagung”den Essener Unternehmer Marcus Keller vor, der mit seiner Geschäftsidee “Lease a Classic” genau auf diesen Steuervorteil zielt.
Keller betont die Wirtschaftlichkeit des Oldtimer-Leasing-Konzepts: “Was bei herkömmlichen Gebrauchtwagen ein Riesennachteil ist, kehrt sich bei Oldies ins Gegenteil. Ein Mercedes 190 SL Roadster aus den 50er-Jahren, der heute leicht einen Wert von mehr als 50 000 Euro hat, wird mit seinem historischen Listenpreis von 8 436 Euro angesetzt. Monatlich werden also statt eines geldwerten Vorteils von 500 lediglich 84,36 Euro versteuert.”
Etwa 100 Verträge im Jahr sind’s, Mindestlaufzeit 30 Monate. Bei solchen oft exotisch anmutenden Dienstwagen guckt das Finanzamt natürlich genau hin. “Deshalb sind wir bei der Vertragsgestaltung auch besonders pingelig”, beteuert Keller.
Seine Zielgruppe sind Unternehmer, Selbstständige, Freiberufler, Ärzte. Die Wünsche sind verschieden. Der eine sucht den alten Jaguar, der andere ein Bond-Auto wie den Aston Martin, der dritte den Mercedes-Flügeltürer (Wert: 360 000 Euro, Leasingrate 7000 pro Monat), der andere einen Porsche aus den 70er-Jahren, mit dem man schon ab 400 Euro pro Monat Gas geben kann.















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