Die Seite für alle, die gern Auto fahren

AUTOTESTS online header image 2

Günter Netzer, Ferrari, Real und Mini

12.09.2009 | 14:12 | Ein Beitrag von Klaus Justen | Keine Kommentare

Er kam aus der Tiefe des Raumes, sein Trainer Hennes Weisweiler hat ihn zum Kern der originellsten Erklärung der Abseitsregel gemacht (”Abseits ist, wenn das lange Arschloch zu spät abspielt”) – und am Montag wird er 65 Jahre alt. Günter Netzer gilt als bekennender Ferrari-Fahrer, hat mehr als 20 Modelle der Marke aus Maranello besessen und fährt heute einen Ferrari 599 GTB Fiorano (”Meine Frau hat es auf einen Nenner gebracht: Es ist nach wie vor nicht peinlich, wenn ich aussteige”). Zwischendurch, in den 70er Jahren während seiner Zeit bei Real Madrid, wurde er aber markenuntreu.

Warum Ferrari-Fan Netzer in Madrid Mini fuhr, Die Welt

WELT ONLINE: Was dachten Sie, als man Ihnen bei Real Madrid ausgerechnet einen Mini, einen Kleinstwagen, als Dienstwagen bereitstellte?
Günter Netzer: Den hat man mir nicht bereitgestellt, ich habe mir den selbst ausgesucht. Ich musste mich der Stadt anpassen. Meinen Ferrari durfte ich eh nicht fahren. So habe ich den anderen Weg gewählt.

WELT ONLINE: Was war mit dem Ferrari? Sie besaßen damals einen schwarz lackierten Daytona – durften Sie den als Angestellter des „weißen Balletts“ nicht fahren?
Günter Netzer: Solche Bewertungsmaßstäbe gab es in der Zeit gar nicht, Schickimicki spielte da keine Rolle. Nein, den Ferrari hätte ich als ausländischer Arbeitnehmer privat gar nicht einführen dürfen, das wusste ich aber nicht. Deswegen musste der Wagen auch ganz schnell wieder außer Landes gebracht werden, vom Fahrer vom Bernabéu übrigens, dem legendären Präsidenten von Real Madrid. In drei Tagen ist der mit meinem Ferrari von Madrid zurück nach Gladbach gefahren. Der Fahrer war schon ein wenig älter, ich glaube, das hat dem Ferrari nicht gutgetan, wie der gefahren ist (lacht).

WELT ONLINE: Und dann haben Sie sich den Mini ausgesucht.
Günter Netzer: Der Wagen war mir wohlbekannt, auch sein Ruf. Ich habe den Mini aber nicht unter sportlichen Gesichtspunkten gekauft, seine Zweckmäßigkeit war mir viel wichtiger. Dass er eben klein war, gut zu handhaben, dass man leicht einen Parkplatz fand, das waren die Prioritäten, die ich an dieses Auto gestellt hatte. In Madrid gab es so viel Verkehr, wie ich es noch nie erlebt hatte. Ich habe damals zum ersten Mal in einer Weltstadt gelebt.

WELT ONLINE: Sie kamen 1973 nach Madrid, in Spanien herrschte noch bis 1975 die Franco-Diktatur. Hatten Sie nicht auch Angst, wenn Sie allein unterwegs waren?
Günter Netzer: Kameraden aus der Mannschaft hatten mir empfohlen, bei einer Straßenkontrolle immer die Hände auf das Lenkrad zu legen und keine unbedachten Bewegungen zu machen. Die Beamten der Guardia Civil waren sehr nervös, die wurden ja auch aus fahrenden Autos heraus beschossen. Das war dramatisch. Wenn man also angehalten wurde, dann stand da jemand, der einem die Maschinenpistole ins Auto hineingehalten hat. Es gab damals in der Stadt viele bedrohliche Situationen.

Weitere Beiträge auf AUTOTESTS online

  • Cristiano Ronaldo und seine Autos (*****)
  • Audi schickt Liebesgrüße nach Maranello (***)
  • Mini Cooper S Rallye: Im Tiefflug durch die Alpen (***)
  • Range Rover: Unterwegs im Urban Jungle von NYC (***)
  • Länderspielpause: Führerschein weg (***)
  • Minister-Dienstwagen: Weiter üppiger Verbrauch (***)
  • Der Drive-in-Anwalt (***)
  • Die Recycling-Könige vom Westerwald (***)
  • Mannheim zahlt Abwrackprämie für Fahrräder (***)
  • Elektroautos "umweltpolitisch fragwürdig" (***)
  • Tags: Am Wegesrand · Highway to Hell · Menschen & Macher

    0 Antworten bis jetzt ↓

    Kommentar schreiben